Verhaltenskodizes für Lieferanten: Rechte, Pflichten und rechtliche Konsequenzen

Zwei Geschäftsleute diskutieren an einem Konferenztisch einen Verhaltenskodex für Lieferanten – Rechtsberatung Law & More

Stellen Sie sich vor: Sie sind ein niederländischer Einzelhändler und entdecken, dass ein wichtiger Lieferant chemische Abfälle illegal entsorgt und damit die Nachhaltigkeitsstandards Ihres Lieferanten-Verhaltenskodex direkt verletzt. Sie möchten Schadensersatz für den Reputationsschaden geltend machen, doch der Lieferant wehrt sich und behauptet, das betreffende Dokument nie ausdrücklich unterzeichnet zu haben. Es handele sich lediglich um eine „Richtlinie“, nicht um einen verbindlichen Vertrag.

Wer hat Recht?

Dieses Szenario tritt immer häufiger auf. Da sich das Lieferkettenmanagement von einfacher Logistik hin zu komplexen Ökosystemen der Nachhaltigkeit und ethischen Compliance entwickelt, Verhaltenskodex für Lieferanten (SCoC) ist in den Mittelpunkt gerückt. Doch für viele Unternehmen bleibt eine entscheidende Frage: Handelt es sich bei diesen Dokumenten lediglich um wünschenswerte Wunschlisten oder um rechtlich bindende Verträge?

In diesem Leitfaden untersuchen wir den Rechtsstatus von Verhaltenskodizes für Lieferanten nach niederländischem Recht. RechtswesenWir werden untersuchen, wann sie bindend sind, wie sie mit dem Vertragsrecht interagieren und welche praktischen Schritte Käufer und Lieferanten unternehmen können, um ihre Interessen zu schützen.

Was ist ein Verhaltenskodex für Lieferanten?

Ein Verhaltenskodex für Lieferanten ist ein Regelwerk, an das sich ein Unternehmen und seine Lieferanten halten müssen. Er fungiert als Bindeglied zwischen den internen Werten eines Unternehmens und seinen externen Lieferkettenaktivitäten.

Diese Verhaltenskodizes können verschiedene Formen annehmen. Einige sind branchenspezifisch (wie beispielsweise im Textil- oder Elektroniksektor), andere sind unternehmensspezifische Dokumente, die von der einkaufenden Organisation erstellt werden. In manchen Fällen basieren sie auf internationalen Standards wie den ILO-Übereinkommen oder den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte.

Zu den üblicherweise behandelten Themen gehören:

  • Arbeitsbedingungen: Verbot von Kinderarbeit, faire Löhne und sichere Arbeitsbedingungen.
  • Umweltstandards: Abfallmanagement, Reduzierung des CO2-Fußabdrucks und Rohstoffbeschaffung.
  • Korruptionsbekämpfung: Regeln bezüglich Bestechung, Geschenken und fairem Wettbewerb.
  • Datenschutz und Datensicherheit: Umgang mit sensiblen Daten gemäß Vorschriften wie der DSGVO.

Es ist entscheidend, zwischen freiwilligem „Soft Law“ – Richtlinien, die gutes Verhalten fördern – und verbindlichen vertraglichen Vereinbarungen zu unterscheiden. Auch wenn ein Verhaltenskodex als Grundsatzpapier beginnt, entscheidet die Art und Weise seiner Einführung in die Geschäftsbeziehung darüber, ob er sich zu einer rechtsverbindlichen Verpflichtung entwickelt.

Rechtliche Bedeutung und Quellen

Nach niederländischem Recht ist die Rechtskraft eines Verhaltenskodex für Lieferanten nicht eindeutig. Sie hängt stark davon ab, wie der Kodex in die Beziehung zwischen Käufer und Lieferant integriert wird.

Vertragswirkung

Am einfachsten wird ein Regelwerk durch Vertragsrecht rechtsverbindlich. Ist ein Regelwerk ausdrücklich einem Vertrag beigefügt und von beiden Parteien unterzeichnet, hat es dieselbe Rechtskraft wie jede andere Klausel. Probleme entstehen jedoch, wenn die Beifügung implizit erfolgt.

Angemessenheit und Fairness (Redelijkheid en Billijkheid)

Artikel 6:248 des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuches (Burgerlijk Wetboek – BW) ist ein Eckpfeiler des niederländischen Vertragsrechts. Er besagt, dass ein Vertrag nicht nur die von den Parteien vereinbarten Rechtswirkungen hat, sondern auch solche, die sich aus dem Gesetz, der Handelsbräuche oder den Erfordernissen von Angemessenheit und Billigkeit ergeben. Dies bedeutet, dass ein Lieferant auch ohne schriftliche Unterschrift an einen Verhaltenskodex gebunden sein kann, wenn die Einhaltung solcher Standards in der jeweiligen Branche als üblich gilt.

Allgemeine Geschäftsbedingungen

Häufig versuchen Unternehmen, Verhaltensregeln in ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu integrieren. Gemäß Artikel 6:232 BW ist eine Vertragspartei an die AGB gebunden, selbst wenn sie diese nicht gelesen hat, sofern ihr eine angemessene Gelegenheit dazu eingeräumt wurde. Ist eine Verhaltensregel jedoch in komplexen AGB versteckt und nicht ausreichend gekennzeichnet, kann ihre Durchsetzbarkeit angefochten werden.

Branchenbezogene Kunden- und Verkehrsansichten

Wenn ein bestimmter Kodex innerhalb einer Branche (z. B. im Bau- oder Lebensmittelsektor) weit verbreitet und akzeptiert ist, kann er als „Gewohnheitsrecht“ gelten. ECLI:NL:CBB:2015:285Das Berufungsgericht für Handel und Industrie urteilte, dass Verbraucher (und im weiteren Sinne auch professionelle Parteien) von einem Unternehmer die Einhaltung eines Verhaltenskodex erwarten können, wenn dieser sich dazu verpflichtet hat, und dass die Nichteinhaltung als irreführende Geschäftspraxis zu werten ist.

Sektorale Gesetzgebung

In bestimmten Branchen führt die Gesetzgebung zu einer weiteren Durchsetzungsebene. Zum Beispiel die Wet oneerlijke handelspraktijken landbouw (Gesetz gegen unlautere Handelspraktiken in der Landwirtschaft) legt verbindliche Standards fest, die sich mit privaten Verhaltenskodizes überschneiden können.

Wichtigster rechtlicher Einblick: Ein Verhaltenskodex ist nicht automatisch bindend. Seine Wirksamkeit leitet sich aus dem Vertrag, den Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder dem übergeordneten Grundsatz der Angemessenheit und Fairness ab.

Wann ist ein Verhaltenskodex bindend?

Um festzustellen, ob ein Lieferant rechtlich haftbar ist, ist eine genaue Prüfung der Fakten erforderlich. Im Folgenden wird erläutert, wie ein Kodex von einer Richtlinie zu einer Verpflichtung wird.

Explizite Inklusion

Der Goldstandard für die Durchsetzbarkeit ist die explizite Bezugnahme. Dies umfasst:

Erfordert eine separate Unterschrift zur Bestätigung des Empfangs und der Einhaltung der Bestimmungen.

Bezugnehmend auf den Code im Hauptkaufvertrag.

Der Code ist als Anhang beigefügt.

Impliziter Effekt

Eine bindende Wirkung kann angenommen werden, wenn die Parteien eine langjährige Geschäftsbeziehung pflegen und der Code stets Bestandteil früherer Vereinbarungen war. Darüber hinaus genügt es nicht, einfach auf einen Code auf einer Website zu verweisen. könnte ist ausreichend, wenn es sich bei dem Lieferanten um einen professionellen Anbieter handelt und die Referenz während der Verhandlungen eindeutig war.

Erkennbarkeit (Kenbaarheid)

Damit ein Verhaltenskodex gemäß den Allgemeinen Geschäftsbedingungen bindend ist, muss der Nutzer (Käufer) dem Anbieter eine angemessene Gelegenheit zur Kenntnisnahme einräumen. Setzt ein Käufer plötzlich einen Kodex durch, der nie zuvor mitgeteilt wurde, kann der Anbieter argumentieren, dass er nicht daran gebunden ist.

Die Rolle der Professionalität

Niederländische Gerichte stellen höhere Anforderungen an Geschäftskunden (B2B) als an Verbraucher. Von einem professionellen Lieferanten wird erwartet, dass er versteht, dass große Unternehmen häufig Nachhaltigkeitsstandards vorschreiben. Ist ein Verhaltenskodex am Markt üblich, kann sich ein Lieferant nicht einfach auf Unwissenheit berufen.

Checkliste für den Bindungseffekt

  1. Ist der Code im Hauptvertrag erwähnt?
  2. Wurde der Text dem Lieferanten vor oder während der Unterzeichnung zur Verfügung gestellt?
  3. Ist die Einhaltung solcher Vorschriften in dieser Branche gängige Praxis?
  4. Hat der Lieferant in der Vergangenheit gemäß dem Verhaltenskodex gehandelt?
  5. Steht der Code im Widerspruch zu anderen vereinbarten Bedingungen?

Zusammenfassung: Ein Verhaltenskodex ist dann verbindlich, wenn er ausdrücklich vereinbart oder durch Allgemeine Geschäftsbedingungen akzeptiert wurde oder wenn er zu den berechtigten Erwartungen im Rahmen einer langfristigen Geschäftsbeziehung oder eines bestimmten Wirtschaftszweigs gehört.

Einwände gegen einen Verhaltenskodex

Nur weil ein Käufer einen Verhaltenskodex vorlegt, bedeutet das nicht, dass der Lieferant wehrlos ist. Es gibt mehrere Gründe, aus denen ein Lieferant sich der Durchsetzung widersetzen kann.

Mangelnde Erkennbarkeit

Wenn der Käufer es versäumt hat, den Codetext vor Vertragsschluss bereitzustellen oder ihn leicht zugänglich zu machen, kann der Lieferant argumentieren, dass die Bedingungen nicht anwendbar sind.

Nicht übliche Vorgehensweise

Wenn der Kodex extreme Anforderungen stellt, die für den jeweiligen Sektor völlig ungewöhnlich sind und nicht ausdrücklich ausgehandelt wurden, kann der Lieferant argumentieren, dass er diesen spezifischen Bedingungen nicht zugestimmt hat.

Unangemessen belastend (Onredelijk Bezwarend)

Gemäß Artikel 6:233 BW ist eine Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen anfechtbar, wenn sie für die andere Partei „unangemessen belastend“ ist. Verschiebt ein Verhaltenskodex ein unverhältnismäßiges Risiko auf den Lieferanten (z. B. unbeschränkte Haftung für geringfügige Umweltverstöße von Unterlieferanten), kann ein Richter die betreffende Klausel für nichtig erklären.

Unannehmbare Konsequenzen

Ein Lieferant könnte argumentieren, dass die Durchsetzung des Verhaltenskodex in einem konkreten Fall nach den Grundsätzen der Angemessenheit und Fairness unzulässig wäre (Artikel 6:248(2) BW). Verlangt beispielsweise ein Käufer die sofortige Kündigung eines Vertrags wegen eines geringfügigen Verstoßes gegen den Verhaltenskodex, könnte ein Gericht dies als unverhältnismäßig einstufen.

Unklare Formulierung

Gerichte mögen keine Unklarheiten. Wenn ein Kodex vage Formulierungen wie „Lieferanten müssen ihr Bestes tun, um nachhaltig zu sein“ verwendet, ist er rechtlich schwer durchzusetzen. Ein Lieferant kann sich verteidigen, indem er argumentiert, die Verpflichtung sei zu unbestimmt, um bindend zu sein.

Unklare Formulierung

Gerichte mögen keine Unklarheiten. Wenn ein Kodex vage Formulierungen wie „Lieferanten müssen ihr Bestes tun, um nachhaltig zu sein“ verwendet, ist er rechtlich schwer durchzusetzen. Ein Lieferant kann sich verteidigen, indem er argumentiert, die Verpflichtung sei zu unbestimmt, um bindend zu sein.

Zusammenfassung: Lieferanten können sich verteidigen, wenn der Code nicht ordnungsgemäß offengelegt wurde, unangemessen belastende Bedingungen enthält, unannehmbare Folgen im Sinne von Angemessenheit und Fairness nach sich zieht oder wenn die Formulierung zu vage ist, um eine rechtliche Verpflichtung zu begründen.

Folgen eines Verstoßes

Wenn sich ein Regelwerk als bindend erweist und ein Verstoß nachgewiesen wird, können die rechtlichen Konsequenzen schwerwiegend sein.

Damages (Schadevergoeding)

Auch ohne eine spezielle Strafklausel im Vertrag kann ein Käufer Schadensersatz nach Artikel 6:74 BW (Vertragsbruch) oder Artikel 6:162 BW (unerlaubte Handlung) geltend machen.

  • Vertragsbruch: Wenn der Verhaltenskodex Bestandteil der Vereinbarung ist, stellt ein Verstoß dagegen eine Nichterfüllung dar.
  • Delikt: Auch wenn keine vertragliche Bindung besteht, kann das Handeln in einer Weise, die gegen ungeschriebene Regeln des angemessenen sozialen Verhaltens verstößt (die ein allgemein anerkannter Kodex darstellen könnte), eine unerlaubte Handlung sein.

Beweislast

Die Beweislast liegt beim Käufer (dem Anspruchsteller). Er muss Folgendes beweisen:

  1. Der Verstoß: Dass der Lieferant tatsächlich gegen die betreffende Regel verstoßen hat.
  2. Der Schaden: Dass dem Käufer ein finanzieller oder Reputationsverlust entstanden ist.
  3. Kausaler Zusammenhang: Dass der Verstoß den Schaden verursacht hat.

Höhere Gewalt (Übermacht)

Kann sich ein Lieferant auf höhere Gewalt berufen? Gemäß Artikel 6:75 BW kann ein Versäumnis dem Schuldner nicht zugerechnet werden, wenn es nicht auf sein Verschulden zurückzuführen ist. Bei gewerblichen Lieferanten sind die Gerichte jedoch streng. Verstößt ein Lieferant gegen das Arbeitsrecht, weil er besitzen Wenn ein Unterlieferant Kinderarbeit einsetzt, betrachten niederländische Gerichte dies oft als ein dem Lieferanten innewohnendes Geschäftsrisiko, sodass höhere Gewalt nicht zur Anwendung kommt.

Minderung (Patching)

Nach Artikel 6:109 BW kann ein Richter die Schadensersatzforderung mindern, wenn die Zuerkennung des vollen Schadensersatzes zu eindeutig unannehmbaren Folgen führen würde (z. B. zur Insolvenz des Lieferanten wegen eines geringfügigen Fehlers). Diese Regelung wird jedoch restriktiv angewendet.

Berechnungsbeispiel:
Eine Bekleidungsmarke ruft eine Charge Hemden zurück, da der vom Lieferanten verwendete Farbstoff gegen die Umweltstandards des Verhaltenskodex verstößt. Die Schadensersatzforderung könnte Folgendes umfassen:

  • Kosten der zurückgerufenen Waren.
  • Logistikkosten für den Rückruf.
  • Entgangene Gewinne durch verpasste Umsätze.
  • Reputationsschaden (wenn auch schwerer zu beziffern).

Zusammenfassung: Die Verletzung eines verbindlichen Verhaltenskodex kann zu Schadensersatzansprüchen wegen Vertragsbruchs oder unerlaubter Handlung führen. Der Käufer muss den Vertragsbruch und den entstandenen Schaden nachweisen. Lieferanten haben nur begrenzten Spielraum für die Geltendmachung höherer Gewalt, Richter können jedoch in extremen Fällen den Schadensersatz mindern.

Verbraucherschutz

Dieser Artikel konzentriert sich zwar auf B2B-Beziehungen, doch der „Schatten“ des Verbraucherschutzes wirft einen großen Schatten auf die Verhaltensregeln für Lieferanten.

Unlautere Geschäftspraktiken

Was andere über uns schreiben: ECLI:NL:CBB:2015:285Wenn ein Unternehmen öffentlich behauptet, einen Verhaltenskodex einzuhalten (z. B. „Wir kaufen ausschließlich Fairtrade-Produkte“), vertrauen die Verbraucher diesem Versprechen. Entspricht die Lieferkette diesen Standards nicht, wendet das Unternehmen irreführende Geschäftspraktiken an. Dies erzeugt Druck entlang der gesamten Lieferkette: Käufer sollen Wir setzen Verhaltensregeln für Lieferanten durch, um Haftungsansprüche gegenüber Verbrauchern zu vermeiden.

Artikel 7:6 BW

Im Verbraucherhandel dürfen die Vertragsparteien bestimmte Rechte nicht zum Nachteil des Verbrauchers einschränken. Dies gilt zwar unmittelbar für B2C-Verträge, hat aber auch Auswirkungen auf B2B-Verträge. Ein Händler kann ein „mangelhaftes“ Produkt nicht einfach von einem Lieferanten annehmen, nur weil dieser die Haftung ablehnt; der Händler haftet dem Verbraucher gegenüber und wird Ansprüche gegen den Lieferanten geltend machen.

Behörde für Verbraucher und Märkte (ACM)

Die ACM überwacht Nachhaltigkeitsversprechen. Sollte ein Lieferantenkodex lediglich Fassade sein (Greenwashing), kann die ACM Bußgelder verhängen. Dieser regulatorische Druck macht die rechtliche Durchsetzung dieser Kodizes zwischen Käufer und Lieferant umso wichtiger.

Zusammenfassung: Verbraucherschutzgesetze zwingen Unternehmen indirekt dazu, ihre Verhaltenskodizes für Lieferanten strikt einzuhalten. Öffentliche Aussagen, die auf diesen Kodizes basieren, müssen belegt werden, andernfalls riskieren Unternehmen Bußgelder der ACM und Klagen wegen irreführender Werbung.

Praxistipps für Lieferanten

Wenn Ihnen als Lieferant ein Verhaltenskodex vorgelegt wird, unterschreiben Sie ihn nicht einfach blindlings.

  1. Standards der Lagerhaltungsbranche: Informieren Sie sich über die branchenüblichen Gepflogenheiten. Wenn ein Kunde etwas Standardmäßiges verlangt, kann ein Widerstand dagegen den Auftrag kosten. Verlangt er etwas Außergewöhnliches, verhandeln Sie.
  2. Anwendbarkeit klären: Stellen Sie sicher, dass der Vertrag Folgendes besagt welche Es gilt die jeweils gültige Fassung des Codes. Vermeiden Sie Klauseln wie „und alle zukünftigen Aktualisierungen“, da dies dem Käufer freie Hand lässt, die Regeln später zu ändern.
  3. Machbarkeit beurteilen: Führen Sie eine Gap-Analyse durch. Können Sie die geforderten ISO-Normen oder Arbeitsanforderungen tatsächlich erfüllen? Falls nicht, besprechen Sie eine Übergangsfrist.
  4. Dokumentenkonformität: Führen Sie Aufzeichnungen über Ihre eigenen Audits und Lieferantenprüfungen. Dies ist Ihre wichtigste Verteidigung, falls ein Verstoß behauptet wird.
  5. Haftungsbeschränkung: Versuchen Sie, eine Haftungsbegrenzung in Bezug auf den Verhaltenskodex auszuhandeln. Stellen Sie sicher, dass geringfügige Verstöße nicht zur sofortigen Vertragsbeendigung führen.
  6. Versicherung: Prüfen Sie, ob Ihre Haftpflichtversicherung Verstöße gegen „vertragliche Zusicherungen“ hinsichtlich der Einhaltung von Vorschriften abdeckt.

Zusammenfassung: Lieferanten sollten ihre Einhaltung von Verhaltenskodizes aktiv prüfen, verhandeln und dokumentieren. Die Begrenzung der Haftung und die Gewährleistung von Klarheit darüber, welche Version des Kodex Anwendung findet, sind dabei entscheidende Schritte.

Praktische Tipps für Käufer

Für Käufer besteht das Ziel darin, den Kodex durchsetzbar und wirksam zu gestalten.

  1. Explizite Integration: Verlassen Sie sich nicht auf die Fußzeilen der Website. Fügen Sie den Verhaltenskodex dem Vertrag bei und lassen Sie ihn abzeichnen.
  2. Prüfrechte: Fügen Sie eine Klausel hinzu, die Ihnen das Recht einräumt, den Lieferanten zu auditieren (oder einen Dritten damit zu beauftragen), um die Einhaltung der Vorschriften zu überprüfen.
  3. Meldepflichten: Verlangen Sie vom Lieferanten, dass er jegliche Verstöße proaktiv meldet.
  4. Klare Sanktionen: Definieren Sie, was bei einem Verstoß gegen den Verhaltenskodex geschieht. Handelt es sich um einen schwerwiegenden Verstoß, der eine Kündigung rechtfertigt? Gibt es ein Sanktionssystem?
  5. Verantwortung in der Lieferkette: Stellen Sie sicher, dass der Kodex den Lieferanten verpflichtet, diese Anforderungen weiterzugeben an sind Lieferanten (kaskadierende Anforderungen).
  6. Ausstiegsklauseln: Um Ihren Ruf zu schützen, stellen Sie sicher, dass Sie die Geschäftsbeziehung sofort beenden können, falls ein schwerwiegender Verstoß (z. B. Kinderarbeit) festgestellt wird.

Zusammenfassung: Käufer müssen den Verhaltenskodex explizit in den Vertrag aufnehmen, sich Prüfrechte sichern und klare Sanktionen bei Nichteinhaltung festlegen. Die Weitergabe der Anforderungen des Kodex entlang der gesamten Lieferkette ist für das Risikomanagement unerlässlich.

Fazit

Die Zeiten, in denen ein Verhaltenskodex für Lieferanten lediglich ein Marketinginstrument war, sind vorbei. Im aktuellen niederländischen Rechtssystem sind diese Dokumente wirkungsvolle Instrumente, die die Haftung verschieben, Schadensersatzansprüche beziffern und die Gültigkeit von Geschäftsbeziehungen definieren können.

Ein Verhaltenskodex ist rechtsverbindlich, wenn er eindeutig in den Vertrag aufgenommen wurde oder wenn die Branchenpraxis sowie die Grundsätze der Angemessenheit und Fairness dies erfordern. Für Lieferanten bedeutet dies, genau zu verstehen, worauf sie sich einlassen. Für Einkäufer bedeutet es, sicherzustellen, dass ihr Verhaltenskodex nicht nur streng, sondern auch rechtlich einwandfrei und ordnungsgemäß in ihren Beschaffungsprozess integriert ist.

Mit dem Aufkommen von ESG-Vorschriften (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) und Sorgfaltspflichten in der Lieferkette wird die rechtliche Bedeutung dieser Kodizes weiter zunehmen. Überlassen Sie nichts dem Zufall.

Nächster Schritt: Sind Ihre Lieferantenverträge und Verhaltenskodizes rechtlich einwandfrei? Lassen Sie Ihre aktuellen Vereinbarungen von einem Rechtsspezialisten prüfen, um sicherzustellen, dass Sie gegen Risiken in der Lieferkette geschützt sind.

FAQ

Was ist ein Verhaltenskodex für Lieferanten?
Ein Verhaltenskodex für Lieferanten ist eine Reihe von Standards und Regeln, die das Verhalten von Lieferanten regeln und Themen wie Arbeitsbedingungen, Umweltstandards, Korruptionsbekämpfung und Datenschutz abdecken.

Ist ein Verhaltenskodex immer rechtsverbindlich?
Nein, ein Kodex ist nur dann verbindlich, wenn er ausdrücklich oder stillschweigend Bestandteil der Vereinbarung wird, etwa durch Allgemeine Geschäftsbedingungen, oder wenn er aufgrund der Grundsätze der Angemessenheit und Fairness Anwendung findet (Artikel 6:248 BW).

Kann ich Schadensersatz verlangen, wenn ein Lieferant gegen den Verhaltenskodex verstößt?
Ja, ein Käufer kann bei einem Verstoß Schadensersatz verlangen (Artikel 6:74 und 6:162 BW), sofern er den Schaden, den Verstoß und den ursächlichen Zusammenhang nachweisen kann. Dies gilt auch ohne eine gesonderte Strafklausel.

Wann kann sich ein Lieferant gegen einen Kodex verteidigen?
Ein Lieferant kann sich verteidigen, wenn der Verhaltenskodex nicht ausreichend bekannt gemacht wurde, nicht branchenüblich ist oder seine Durchsetzung zu unannehmbaren Konsequenzen führen würde, die mit Angemessenheit und Fairness unvereinbar wären.

Welche Rolle spielt die „Erkennbarkeit“?
Je bekannter und verbreiteter ein Verhaltenskodex innerhalb eines Sektors ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Richter ihn als verbindliche Norm zwischen den Berufsverbänden ansieht, selbst wenn er nicht ausdrücklich unterzeichnet wurde.

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