Immer mehr Arbeitgeber verlangen im Rahmen einer Bewerbung oder während des Arbeitsverhältnisses ein polizeiliches Führungszeugnis (Verklaring Omtrent het Gedrag, kurz VOG). Das wirft Fragen auf, insbesondere wenn man bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Was steht in meinem Strafregister? Darf ein Arbeitgeber danach fragen? Und bedeutet eine Verurteilung automatisch, dass ich kein VOG erhalte?
In diesem Blog erklären wir, was ein VOG ist, wie die Bewertung abläuft und welche Rechte und Pflichten Sie als Bewerber, Arbeitnehmer oder Arbeitgeber haben.
Was ist ein VOG (Verhaltenszertifikat)?
Ein Führungszeugnis (VOG) ist eine Bescheinigung, die bestätigt, dass Ihre richterliche Vergangenheit kein Hindernis für eine bestimmte Position, Aufgabe oder Tätigkeit darstellt. Das Führungszeugnis wird ausschließlich vom Dienst Justis im Auftrag des Ministeriums für Justiz und Sicherheit ausgestellt. Die inhaltliche Beurteilung obliegt der Zentralen Stelle für Führungszeugnisse (COVOG). Die Rechtsgrundlage bildet das Gesetz über richterliche und strafrechtliche Aufzeichnungen (Wjsg), konkretisiert in den VOG-NP-RP-Richtlinien 2025.
Es ist wichtig, den Unterschied zwischen einem VOG (Voice of General Order) und einem Strafregisterauszug zu verstehen. Der Begriff „Strafregisterauszug“ bezeichnet die im Justizdokumentationssystem (JDS) registrierten gerichtlichen Dokumente. Diese können neben Verurteilungen auch Vergleiche, Bußgeldbescheide, außergerichtliche Einigungen, anhängige Verfahren und bestimmte Verfahrenseinstellungen enthalten. Ein Freispruch wird nicht berücksichtigt. Das VOG gibt keinen Einblick in diese Daten; es stellt lediglich fest, ob das VOG für den jeweiligen Antrag ausgestellt wurde oder nicht.
Eine kriminelle Vergangenheit führt daher nicht automatisch zur Ablehnung eines VOG-Antrags. Die Beurteilung steht stets im Zusammenhang mit der Stelle oder den Tätigkeiten, für die der VOG-Antrag gestellt wird.
Darf ein Arbeitgeber eine VOG verlangen?
Für einige Positionen ist eine Sicherheitsüberprüfung gesetzlich vorgeschrieben, beispielsweise in Teilen des Bildungs-, Kinderbetreuungs-, Gesundheits- und Personenverkehrsbereichs. Auch außerhalb dieser Sektoren kann ein Arbeitgeber eine Sicherheitsüberprüfung verlangen, beispielsweise wenn eine Tätigkeit die Verantwortung für Geld, Güter, vertrauliche Informationen oder schutzbedürftige Personen beinhaltet. Dies ist mitunter im Tarifvertrag geregelt.
Ein Arbeitgeber darf Ihre gerichtlichen Unterlagen nicht selbst anfordern. Diese Daten sind für Arbeitgeber nicht frei zugänglich. Das VOG ist genau als eingeschränktes Screening-Instrument gedacht: Der Arbeitgeber sieht lediglich das Ergebnis der Prüfung, nicht die zugrunde liegenden strafrechtlichen Informationen.
Für Arbeitgeber muss ein Antrag auf Arbeitserlaubnis dem Wesen der Tätigkeit entsprechen. Nur bei Vorliegen eines triftigen, berufsbezogenen Grundes ist eine Arbeitserlaubnis angemessen.
Muss man bei einer Bewerbung Vorstrafen angeben?
Grundsätzlich sind Sie nicht verpflichtet, eine kriminelle Vergangenheit von sich aus offenzulegen. Es besteht daher keine allgemeine Meldepflicht.
Dies kann anders sein, wenn die Sachlage eindeutig relevant für die Stelle ist. Man denke beispielsweise an eine Position im Finanzbereich nach einer Verurteilung wegen Betrugs oder an eine Tätigkeit als Fahrer nach einer Verurteilung wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss. Darüber hinaus müssen Sie gezielte, berufsbezogene Fragen von Arbeitgebern wahrheitsgemäß beantworten.
Das Verschweigen relevanter Informationen kann später Probleme verursachen. Je nach den Umständen kann dies Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis haben. Die Faustregel für Bewerber und Arbeitnehmer lautet: Sie müssen nicht mehr Informationen preisgeben als unbedingt nötig, aber alle Angaben müssen korrekt sein.
Wie beantragt man eine VOG-Lizenz?
Sie können einen VOG-Antrag nicht selbst stellen. Der Arbeitgeber oder Auftraggeber macht den ersten Schritt; danach füllen Sie den Antrag selbst aus, entweder digital oder schriftlich über die Gemeinde.
Bei einer Online-Bewerbung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bewerbungscode. Sie melden sich mit DigiD an, überprüfen Ihre Angaben und bezahlen mit iDEAL. Im Jahr 2026 betragen die Kosten 33.85 Euro für eine Online-Bewerbung und 41.35 Euro für eine schriftliche Bewerbung über die Gemeinde. Für Freiwillige, die mit Kindern oder schutzbedürftigen Personen arbeiten, kann die Teilnahme am Freiwilligenprogramm im Rahmen des Programms „Kostenloses Freiwilligenprogramm“ kostenlos sein.
Sie erhalten in der Regel innerhalb von ein bis vier Wochen eine Antwort; bei einer komplexen Beurteilung kann dies bis zu acht Wochen dauern. Eine längere Bearbeitungszeit sagt an sich nichts über das Ergebnis aus.
Wie beurteilt Justis einen VOG-Antrag?
Wer nicht im JDS aufgeführt ist, erhält ohne weitere Prüfung eine positive VOG-Bewertung. Erst wenn gerichtliche Daten vorliegen, erfolgt eine inhaltliche Bewertung in drei Schritten.
1. Überprüfungszeitraum
Zunächst legt Justis fest, welcher Zeitraum Ihrer strafrechtlichen Vergangenheit geprüft wird. Der Standardzeitraum beträgt vier Jahre. In der Regel ist das Datum des Verfahrensabschlusses (Verurteilung, Strafverfügung, Vergleich oder Verfahrenseinstellung) maßgeblich, nicht das Datum der Straftat. Das Datum der Straftat kann jedoch maßgeblich werden, wenn zwischen der Straftat und ihrem Abschluss mehr als zwei Jahre liegen.
2. Objektives Kriterium
Anschließend wird anhand eines Screening-Profils beurteilt, ob die festgestellten Sachverhalte, sollten sie sich wiederholen, ein Hindernis für die Stelle darstellen würden. Entscheidend ist, ob die Art des Delikts dem Risiko der Stelle entspricht, nicht die persönliche Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung. Ein Verkehrsdelikt mag für eine Fahrertätigkeit relevant sein, kaum aber für eine Bürotätigkeit. Ein Eigentumsdelikt hingegen wiegt bei einer Position mit finanzieller Verantwortung schwer.
3. Subjektives Kriterium
Stellt die Straftat objektiv ein Hindernis dar, folgt eine Interessenabwägung: Überwiegt Ihr Interesse an der VOG das Risiko für die Gesellschaft? Dabei berücksichtigt Justis unter anderem Folgendes:
- wie lange die Straftat zurückliegt;
- Art und Schwere des Vergehens;
- wie oft Sie mit dem Justizsystem in Kontakt gekommen sind;
- Ihr Alter zum Zeitpunkt der Straftat;
- Ihr Verhalten und Ihre Entwicklung seither;
- Ihr Interesse an der Ausgabe der VOG.
Gerade in dieser Phase kann sich herausstellen, dass trotz zuvor getroffener gerichtlicher Feststellungen dennoch ein VOG (Votum of Government) ausgestellt werden muss.
Die Überprüfungszeiträume im Überblick
- Standard: 4 Jahre.
- Jugendliche: 2 Jahre, wenn die Straftat vor dem 23. Lebensjahr begangen wurde – außer im Falle einer schweren Gewalttat (die mit einer Freiheitsstrafe von mehr als 6 Jahren geahndet wird) oder einer Sexualstraftat.
- Positionen mit hohen Integritätsanforderungen (wie z. B. Rechtsanwälte, Ermittlungsbeamte, Politiker und beeidigte Dolmetscher): 10 Jahre.
- Bei einer früheren Verurteilung wegen einer Straftat gegen ein Kind droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren.
- Sexual- und Terrorismusdelikte: unbegrenzt. Diese Taten werden stets berücksichtigt, unabhängig davon, wie lange sie zurückliegen.
Bei diesen schwerwiegenderen Kategorien – Arbeit mit Kindern, Vertrauenspositionen, hohe Integritätsanforderungen sowie Sexualdelikte oder schwere Gewalttaten – ist die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung höher. Auch dann bleibt jedoch ein individueller Ansatz der Ausgangspunkt: Es geht stets um die Kombination aus Art des Delikts, Position und Ihren persönlichen Umständen.
VOG lehnte ab: Was kann man da machen?
Eine beabsichtigte oder endgültige Ablehnung bedeutet nicht, dass Ihnen keine Möglichkeiten mehr offenstehen. Sie können sie anfechten und in jeder Phase Ihre Interessen vorbringen.
Sie erhalten üblicherweise zunächst eine Ablehnungsmitteilung. Innerhalb von zwei Wochen können Sie dagegen schriftlich Stellung nehmen. Dies ist ein wichtiger Moment: Bis dahin hat Justis hauptsächlich anhand des objektiven Kriteriums geprüft, und es liegt nun an Ihnen, die persönlichen Umstände (das subjektive Kriterium) einzubringen. Beachten Sie:
- die seit der Straftat verstrichene Zeit;
- positive Entwicklungen im Berufs- und Privatleben;
- Behandlung oder Anleitung;
- das Ausbleiben neuer Vorfälle;
- die Bedeutung der Position für Ihr Einkommen oder Ihre Wiedereingliederung.
Wird der VOG-Antrag dennoch abgelehnt, können Sie innerhalb von sechs Wochen Widerspruch einlegen. Ist dieser erfolglos, können Sie innerhalb von sechs Wochen beim Verwaltungsgericht Berufung einlegen. Da die Fristen kurz und die Begründung entscheidend ist, empfiehlt es sich, rechtzeitig Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen.
VOG während der laufenden Beschäftigung
Eine VOG kann auch während eines bestehenden Arbeitsvertrags relevant werden, beispielsweise im Falle eines Positionswechsels oder weil eine VOG-Verpflichtung für eine Stelle Anwendung findet.
Wenn eine Arbeitserlaubnis für die Stelle tatsächlich erforderlich ist und nicht ausgestellt wird, kann dies Folgen für das Arbeitsverhältnis haben. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Kündigung gerechtfertigt ist. Relevante Faktoren sind unter anderem:
- ob die VOG für die Position wirklich notwendig ist;
- ob der Arbeitgeber zeitnah und sorgfältig gehandelt hat;
- ob eine Versetzung möglich ist;
- welche Interessen der Mitarbeiter hat.
Für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer ist eine individuelle Beurteilung erforderlich. Eine sorgfältige Abwägung der Interessen und die Einbeziehung rechtlicher Beratung sind daher wichtig.
Fazit
Ein Strafregistereintrag bedeutet nicht automatisch, dass Sie keine Arbeitserlaubnis erhalten. Die Beurteilung ist stets berufsbezogen und richtet sich danach, ob Ihre strafrechtliche Vergangenheit ein relevantes Risiko für die Tätigkeit darstellt, für die die Arbeitserlaubnis beantragt wird. Ihre persönlichen Umstände werden ebenfalls berücksichtigt.
Für Bewerber und Angestellte ist es wichtig zu wissen, dass Arbeitgeber nicht einfach nur Zugriff auf Strafregisterdaten anfordern dürfen, sondern in vielen Fällen eine sogenannte VOG (Visiting Outreach Group) verlangen können. Arbeitgeber müssen darauf achten, dass eine VOG-Anfrage gut zur jeweiligen Stelle passt und sorgfältig gestellt wird.
Steht Ihnen eine beabsichtigte Ablehnung, eine zurückgewiesene Bewerbung oder die Folgen für Ihren Arbeitsvertrag bevor? Dann sollten Sie sich rechtzeitig beraten lassen – gerade weil die Fristen kurz sind und eine gute Begründung in einem frühen Stadium entscheidend sein kann. Die Spezialisten für Arbeits- und Strafrecht von Law & More Gerne denken wir mit Ihnen mit.
Häufig gestellte Fragen zu Vorstrafen und Beschäftigung (VOG)
Erhalte ich eine VOG-Bescheinigung, wenn ich vorbestraft bin?
Eine Ablehnung ist nicht zwangsläufig. Justis prüft stets, ob Ihre juristische Vergangenheit für die jeweilige Stelle relevant ist. Viele Personen mit Vorstrafen erhalten lediglich eine Einstellungszusage, insbesondere wenn die Vorfälle lange zurückliegen oder keinen Bezug zur Stelle haben.
Was kostet eine VOG-Prüfung und wie lange dauert sie?
Im Jahr 2026 kostet ein Online-Antrag 33.85 Euro und ein schriftlicher Antrag über die Gemeinde 41.35 Euro. Für Freiwillige, die mit Kindern oder schutzbedürftigen Personen arbeiten, kann die VOG kostenlos sein. Sie erhalten in der Regel innerhalb von ein bis vier Wochen eine Antwort; falls weitere Prüfungen erforderlich sind, kann die Bearbeitung bis zu acht Wochen dauern.
Wie weit blickt Justis in meine Vergangenheit zurück?
Die reguläre Überprüfungsfrist beträgt vier Jahre. Für junge Menschen, die die Straftat vor dem 23. Lebensjahr begangen haben, gilt häufig eine Frist von zwei Jahren. Bei Positionen mit hohen Integritätsanforderungen beträgt die Frist zehn Jahre, und bei Sexual- oder Terrorismusdelikten ist sie unbegrenzt.
Darf mein Arbeitgeber mein Strafregister anfordern?
Nein. Ihre gerichtlichen Unterlagen sind für Arbeitgeber nicht frei zugänglich. Ein Arbeitgeber kann zwar eine gerichtliche Überprüfung anfordern, sieht aber nur das Ergebnis, nicht die zugrundeliegenden Daten.
Muss ich meine Vorstrafen bei einer Bewerbung angeben?
Es besteht keine generelle Pflicht, Vorstrafen von sich aus offenzulegen. Sie müssen jedoch wahrheitsgemäß antworten, wenn die Sachlage eindeutig für die Stelle relevant ist oder der Arbeitgeber gezielt danach fragt.
Zählt eine Einstellung des Verfahrens oder ein Freispruch?
Ein Freispruch zählt nicht. Bestimmte Verfahrenseinstellungen, Vergleiche, Strafverfügungen und außergerichtliche Einigungen können je nach ihrer Art berücksichtigt werden.
Mein VOG-Antrag wurde abgelehnt – kann ich irgendetwas dagegen tun?
Ja. Sie erhalten üblicherweise zunächst eine Ablehnungsmitteilung, auf die Sie innerhalb von zwei Wochen schriftlich antworten können. Wird der Antrag dann dennoch abgelehnt, können Sie innerhalb von sechs Wochen Widerspruch einlegen und gegebenenfalls anschließend innerhalb von sechs Wochen beim Verwaltungsgericht Berufung einlegen.
Kann eine verweigerte VOG zur Entlassung führen?
Nicht automatisch. Wenn eine VOG tatsächlich eine Voraussetzung für die Stelle ist und nicht ausgestellt wird, kann dies Folgen für das Arbeitsverhältnis haben, aber das hängt unter anderem von der Notwendigkeit der VOG, den Versetzungsmöglichkeiten und der Sorgfalt des Arbeitgebers ab.
Was ist ein VOG (Verhaltenszertifikat)?
Ein Führungszeugnis (VOG) ist eine Bescheinigung, die bestätigt, dass Ihre richterliche Vergangenheit kein Hindernis für eine bestimmte Position, Aufgabe oder Tätigkeit darstellt. Es wird ausschließlich vom Justizdienst im Auftrag des Ministeriums für Justiz und Sicherheit ausgestellt, wobei die inhaltliche Bewertung von der Zentralen Stelle für Führungszeugnisse (COVOG) durchgeführt wird.
Darf ein Arbeitgeber einfach nach meinem Strafregister fragen?
Ein Arbeitgeber darf Ihre gerichtlichen Unterlagen nicht selbst anfordern, da diese Daten für Arbeitgeber nicht frei zugänglich sind. Stattdessen dient das VOG als eingeschränktes Prüfinstrument: Der Arbeitgeber sieht lediglich das Ergebnis der Prüfung, nicht die zugrunde liegenden strafrechtlichen Informationen.
Muss ich im Rahmen einer Bewerbung von mir aus eine Vorstrafe angeben?
Grundsätzlich besteht keine Pflicht, eine kriminelle Vergangenheit von sich aus offenzulegen, es gibt also keine allgemeine Meldepflicht, obwohl die spezifischen Umstände einer bestimmten Tätigkeit eine Rolle spielen können.
Bedeutet eine Verurteilung automatisch, dass ich keine VOG erhalte?
Nein. Ein VOG-Antrag und seine Bewertung müssen der Art der Arbeit entsprechen, und es bedarf eines vernünftigen, berufsbezogenen Grundes, bevor ein VOG relevant wird, sodass das Ergebnis von der jeweiligen Position und der Art der involvierten gerichtlichen Informationen abhängt und nicht automatisch erfolgt.


